Das Magazin für Geschlechtergerechtigkeit
06.06.2022
3 Min. Lesedauer
Johanna Burkhart
In Körper/ Werkzeuge

Wie Mädchen auf Körper schauen – eine Einführung

Körper sind ein ständiger Fokus bei Mädchen*, zumeist ein kritischer. Die Ursachen sind geschlechtsspezifisch, Mädchen* brauchen Empowerment

„Körper, die sind ja immer mal wieder so ein Thema. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, dass einen Körper zu haben, eine Gemeinsamkeit aller Menschen ist. Ob Polizistin, Linksautonom, Börsenmaklerin, Hippie, amerikanische Ureinwohner oder Nazi, alle haben einen Körper. Und gleichzeitig ist so ein Körper das krasseste Alleinstellungsmerkmal, das man sich überhaupt vorstellen kann. Keinen Körper dieser Welt gibt es in exakt derselben Ausführung nochmal.“

Svenja Gräfen: „Körper“: https://www.meintestgelaende.de/2019/11/koerper/

Wie zu Beginn des Videos von Svenja Gräfen thematisiert, ist der Körper grundsätzlich ein Thema für alle. Gleichzeitig ist es ein Thema, das intersektionell[1] stark mit anderen Differenzlinien verwoben ist. Denn vom körperlichen Aussehen ausgehend werden häufig andere Zuschreibungen vorgenommen, wie zu einer Kultur, einer Bevölkerungsschicht, zum Gesundheitszustand oder zum Geschlecht. Entsprechend kann der Körper viel über einen Menschen preisgeben und bietet somit auch Angriffsfläche für Diskriminierungen.

„Was den Körper angeht, hat man sich gefälligst anzupassen an das, was die Gesellschaft von so einem Körper erwartet. Von der Masse abheben kann man sich dann ja immer noch mit einer frechen Frisur. Statt dass wir diese Vielfalt ausgiebig feiern, wird ohne Ende normiert. Und das frisst Zeit und Geld und Leben. Da gibt es Vorschriften, wie der Körper einer „richtigen Frau“ auszusehen hat und der eines „richtigen Mannes“ und wie man sich dem eigenen Körper gegenüber als „richtige Frau“ und als „richtiger Mann“ dann auch „richtig“ verhält. Als Frau zum Beispiel muss man ihn scheiße finden und sich darüber beklagen „Ach guck mal hier schon wieder eine Problemzone“. Aber bitte auch nicht zu sehr beklagen, bitte nicht zu anstrengend werden. Und als Mann hat man sich gefälligst gar nicht für seinen Körper zu interessieren. „Ja, da sind jetzt komische Knubbel an mir dran, die waren letzte Woche noch nicht da, aber mir ist das egal, denn ich bin ein Mann.

Svenja Gräfen: „Körper“ unter: https://www.meintestgelaende.de/2019/11/koerper/

Hier wird deutlich, dass das Thema Körper eng mit dem Thema Geschlecht verknüpft wird. Tatsächlich spiegelt sich der von ihr beschriebene geschlechtsspezifisch unterschiedliche Umgang auch bei meinTestgelände wider. Während es kaum Beiträge zum Thema Körper von cis-Jungen oder cis-jungen Männern gibt, existieren viele von cis-Mädchen und cis-jungen Frauen. Diese beschäftigen sich neben den Fragen nach Schönheit und Selbstablehnung und Selbstliebe besonders häufig auch mit der Menstruation. Darin zeigt sich, dass die Menstruation häufig als Tabuthema wahrgenommen wird. Die Menstruation wird beschrieben als unangenehm bis sehr schmerzhaft. Darüber zu reden ist schwierig auf Grund der vielen bestehenden Vorurteile und Genderrollen, die sich in Svenja Gräfens Worten widerspiegeln: „Aber bitte auch nicht zu sehr beklagen, bitte nicht zu anstrengend werden.“ Menstruation ist somit eine (meist) monatliche Erinnerung an den eigenen Körper, der eine unterschiedlich geartete regelmäßige Beschäftigung mit ihm erfordert. Ein ähnliches Erfordernis, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, prägt die Lebensrealität von trans* und inter*.

Daher beschäftigen sich einige Beiträge auf meinTestgelände auch mit dem Thema körperliche Selbstbestimmung und Geschlecht von trans* und inter*[1].


[1] Eine Erklärung zum Begriff „Intersektionalität“ findet sich unter: https://gender-glossar.de/i/item/25-intersektionalitaet

[2] Auch wenn trans* und inter* hier gemeinsam genannt wurden, sind ihre Erfahrungen und Fragen unterschiedlich, wie Ika hier gut beschreibt: https://www.meintestgelaende.de/2020/07/der-fehler-in-der-matrix/

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