GNTM: Die Männer sind da

Nach „Diversity“ im letzten Jahr ruft Heidi Klum nun „GNTM für ALLE“ aus – gemeint sind damit Männer.

15.02.2024 | Lesezeit: 2 Min.

Es geht wieder los: Die 19. Staffel von GNTM startet. Und wie das Murmeltier im gleichnamigen Kinofilm „täglich grüßt“, kommt GNTM verlässlich Jahr für Jahr auf die Screens von Mädchen und Frauen, um ihnen zu zeigen, wie sie sein sollten: körperlich wie charakterlich.

Der Langeweile der immer gleichen Abläufe (Haare abschneiden, Nacktshooting, Halbnacktshooting mit männlichen Models, Walken auf rutschigen Böden mit High Heels …) wird jährlich dadurch begegnet, dass der Cast verändert wird. Mittlerweile dürfen sich auch alte Frauen, Frauen mit als untauglich für ein Model deklarierten Körpern (flächige Narben, klein, dick) und auch trans* Frauen beschimpfen und beschämen lassen, um hinterher wie alle Kandidatinnen* kein Topmodel zu werden – jedenfalls nicht in der wirklichen Modewelt.

Im vergangenen Jahr musste Pro7 die erste Sendung der 18. GNTM-Staffel mit einer zehnminütigen Erklärung von Heidi Klum beginnen, die damit auf massive öffentliche Vorwürfe einer Ex-Kandidatin reagierte. Die Gegenstrategie damals: nicht darauf reagieren und stattdessen die Vielfaltskarte ziehen. Diese Strategie, mit der die Produktionsfirma seit einigen Jahren versucht, das immer gleiche Format modern aufzupimpen, wird auch dieses Jahr fortgeführt, denn nun kommt die ultimative Krönung von Diversity: Männer! Auf zwei verschiedenen Websites werden je die ersten zehn female und male Models vorgestellt – nicht, dass Zuschauende da irgendwie durcheinandergeraten. Denn: Natürlich wird es diesmal zwei Gewinner*innen geben, sind ja schließlich zwei Geschlechter. In den bis zum Start der Staffel veröffentlichen 20 Kurzvitas wird kein Bezug zum Thema trans* hergestellt. Interessant ist das deshalb, weil die Fernsehsendung sich in den Staffeln zuvor für die Inklusion von trans* Personen extrem selbst abfeierte und nicht müde wurde zu betonen, wie sensationell das sei.

Und weil Frauen und Männer ja schon divers genug sind, verzichtet das Casting dieses Jahr auf Diversity in Bezug auf Alter und Körperformen. Alle Kandidat*innen sind super schlank, die Frauen zwischen 21 und 28 Jahren alt und die Männer zwischen 19 und 33 Jahren.

Die Kurzvorstellungen der Kandidat*innen verrät dann, dass die Frauen und Männer offensichtlich unterschiedlich gecastet wurden und dass, eher geschlechterstereotyp als divers, der Fokus auf den Männern liegen wird.
Unter den 10 Männern gibt es professionelle Models, Influencer, Content Creator, einen queeren Mann, der früh seine Familie verlassen hat, einen Ghanaischen Prinzen, einen Sportler, einen, der Drag liebt, einen Berliner (das scheint genug Personality zu sein) und einen mit viel Tattoos, Schmuck und lackierten Nägeln (einen bunten Vogel braucht es immer).
Die Frauen werden vorgestellt als Dachdeckerin (die auch Motorrad fährt – es braucht immer die Eine, die aus der Frauenrolle fällt), Krankenpflegerin, Kosmetikerin, Erzieherin und Förderlehrerin oder werden mit knappen Attributen, die die Produktionsfirma angemessen findet, beschrieben: adoptierte Senegalesin mit langen Beinen, groß, androgyn, wechselnde Frisuren (das sind Charakterisierungen von drei! Frauen) und – mein persönliches Highlight – gebürtige Polin mit Selbstzweifeln und Bodyshaming-Erfahrungen.

Rassismus und Patriarchat laufen wie immer Hand in Hand den Catwalk auf und ab. „Ich war überwältigt von den vielen tollen Menschen“, schwärmt Heidi Klum im Video vom 3. Castingtag und präzisiert dann: „Ich hab viel zu viele Männer ausgesucht, […] die sahen einfach alle so toll aus“. Mensch gleich Mann – woher kennen wir das noch gleich?

Wir halten fest: Diversity an Weiblichkeiten und Körpern war gestern, dieses Jahr heißt es „Germanys next Top Model für alle“, und alle heißt – ganz patriarchal statt divers – die Männer sind da!