Das Magazin für Geschlechtergerechtigkeit
05.11.2026
5 Min. Lesedauer
Tarja Lorbeer
In Gesellschaft

OnlyFans als Gefahr für Minderjährige

Ein Klick bis zum Erwachsenen-Content

OnlyFans sollte nicht immer nur unter dem feministischen Deckmantel von Freiheit und Selbstbestimmung diskutiert werden. Stattdessen müssen wir über die Auswirkungen und Gefahren für Jugendliche und junge Erwachsene reden. Wie schnell Minderjährige OnlyFans nutzen können, um Content zu konsumieren und sogar zu produzieren, zeigen nicht nur Berichte, sondern auch ein Selbstversuch.  

Die Werbung ist zunächst unscheinbar. Erst nach einer Weile realisiere ich, dass mir hier eine OnlyFans-Werbung auf Instagram angezeigt wird. Gerade erzählt mir die Frau auf meinem Bildschirm, wie OnlyFans ihr Leben verändert hat. Wie viel Freiheit ihr die Plattform gegeben hat. Darüber, was sie konkret postet, spricht sie nicht.  

Ich kann nicht mehr mitzählen, wie häufig ich den Begriff Freiheit im Kontext von OnlyFans gehört habe.

Wenn es nicht Marketingstrategien der Plattform sind, dann ist es in feministischen Diskussionen. Dann wird über Selbstbestimmung, finanzielle Nöte und die Macht über den eigenen Körper gesprochen.  

Worüber nicht gesprochen wird, ist die Auswirkung auf Jugendliche und junge Erwachsene. Eine ZDF-Dokumentation hat gezeigt, dass Jugendliche früher und häufiger pornografische Inhalte konsumieren und dass Social Media dabei eine große Rolle spielt. Mir wird, als ich diese Werbung auf Instagram sehe, deshalb eins bewusst: Diese Werbung könnte auch jüngeren Menschen in den Feed gespült werden, die vielleicht nur „Freiheit“ und „Geld“ hören und nicht hinter eine kluge Marketingstrategie blicken können.  

Von dem Versprechen schnell und einfach reich zu werden

Hinter der Maske aus Freiheit steckt ein milliardenschweres Unternehmen mit rund 400 Millionen Nutzer*innen. Die Social Media-Plattform wurde 2016 gegründet und ist seit der Corona-Pandemie für sexuelle und pornografische Inhalte bekannt. Besonders macht OnlyFans der Fakt, dass Creator*innen ihren Content monetarisieren können.  

OnlyFans wirbt damit, dass die Creator*innen selbst entscheiden können, wie viel sie von sich preisgeben. Trotzdem handelt es sich um ein Geschäftsmodell, bei dem Creator*innen eine Nachfrage befriedigen müssen. Selbst gesetzte Grenzen können sich dabei schnell verschieben, um rentabel zu bleiben.

Wer Wünsche der Nutzer*innen erfüllt, bekommt Geld. So einfach ist das.

Doch das hat nur bis zu einem gewissen Punkt mit Freiheit und Selbstbestimmung zu tun, wenn es meist Männer sind, die Frauen ihre sexuellen Wünsche als Anweisungen formulieren. Junge Menschen werden hier auf eine Plattform gelockt, die zwar Freiheit und viel Geld verspricht und trotzdem ganz klare Muster widerspiegelt, die wir aus der klassischen Pornografie kennen. 

Der Schein vom vielen Geld wird vor allem durch Influencer*innen oder bekannte Persönlichkeiten aus dem Trash-TV gefördert. Sie bewerben ihre Accounts im Fernsehen und sprechen davon, dass sie wieder Tausende von Euros verdient haben. Dann werden Anleitungen gepostet, wie man möglichst viel Geld auf OnlyFans verdienen kann. Wer sich weiter in die Bubble begibt, der trifft auf Agenturen, die sich auf OnlyFans spezialisieren. Womit ich jedoch nicht gerechnet habe, ist, dass auf Social Media aktiv nach OnlyFans-Models gesucht wird.  

Kein Einzelfall: Die Suche nach OnlyFans-Models

Auf Reddit bin ich auf mehrere Anzeigen gestoßen, die nach weiblichen OnlyFans-Models suchen. Auch hier wird vor allem mit viel Geld geworben. Also habe ich den Account angeschrieben.

Ich habe mich als 16-Jährige ausgegeben. Das Geld bräuchte ich dringend für die Schule. Auf meine Frage, ob es ein Problem sei, dass ich noch nicht 18 wäre, bekam ich ein „Nope“.  

Obwohl OnlyFans offiziell erst ab 18 Jahren erlaubt ist, ist die Anmeldung als Nutzer*in überraschend einfach. Wer selbst Content veröffentlichen will, muss laut einer BBC-Dokumentation einen Ausweis hinterlegen. Die minderjährige Protagonistin in der Dokumentation erzählt, dass sie einfach den Ausweis einer Freundin benutzt habe.  

Im weiteren Chatverlauf teilte mir mein Kontakt mit, dass er mir beim Chatten und Bewerben meines Accounts helfen würde. Meine Aufgabe wäre es, Content zu produzieren, der dann verkauft wird. Bei den Bildern würde es sich vor allem um Nacktbilder handeln, aber auch Selbstbefriedigungsvideos. Das wäre die beste Möglichkeit, um viel Geld zu verdienen, so mein Kontakt.  

Der Content, der für OnlyFans erstellt wird, bleibt meist nicht nur auf OnlyFans. Stattdessen wird er auch auf anderen Social Media-Plattformen ausgespielt. Bereits 13-Jährige berichten davon, dass sie sich OnlyFans-Content auf Plattformen wie Telegram oder Discord angeschaut hätten (1). Das Einstiegsalter für den Konsum von OnlyFans-Content liegt bei 15,5 Jahren (2). Vor allem Jungen berichten davon, dass sie als Konsumenten durch Pop-up-Ads oder Spamnachrichten auf die Plattform gelockt wurden. Mädchen dagegen erleben Kontaktaufnahmen mit Agenturen oder Einzelpersonen, die sie als Produzentinnen anwerben (1). Hier wird also bereits im jungen Alter ganz klar mit Rollenbildern gespielt, die das Denken der Jugendlichen nachträglich prägen können.  

Gefahr im Internet

OnlyFans ist längst in der Realität und vor allem in der Timeline von Jugendlichen und jungen Erwachsenen angekommen. Immer wieder steht OnlyFans in den Schlagzeilen, wie zuletzt, weil das Bundeskriminalamt „vereinzelte Erkenntnisse“ auf Menschenhandel und Zwangsprostitution hat. OnlyFans wies diesen Vorwurf zurück.  

Gerade Minderjährige und Jugendliche sind durch OnlyFans und Social Media einer Gefahr ausgeliefert, die sie selbst vielleicht nicht einschätzen können.

Trotzdem bleibt OnlyFans normalisiert. Obwohl jeder weiß, was die Plattform bietet und welche Mechanismen dahinterstecken.  

Für mich zeigt vor allem auch mein kleiner Selbstversuch, wie schnell junge Menschen in ein toxisches Umfeld rutschen können. Alles, was es gebraucht hat, war eine Google Suche, und ich habe mit einer fremden Person gechattet, die mir beim Aufbau eines OnlyFans-Accounts geholfen hätte. Dass das kein Einzelfall ist, sagt mir mein Chat-Kontakt selbst. Es gebe noch mehr Models in „meinem“ Alter, die durch Agenturen gemanagt würden. Auf meine Frage, ob jemand „mein“ Alter herausfinden wird, bekomme ich als Antwort, dass es keine Rolle spiele. Doch das sollte es.  


Studien:  

(1) Anciones Anguita, K., Checa Romero, M. Making Money on OnlyFans? A Study on the Promotion of Erotic Content Platforms on Social Media and their Influence on Adolescents. Sexuality & Culture 29, 2727–2751 (2025). https://doi.org/10.1007/s12119-025-10389-2 

(2) Cervigón-Carrasco, V., Giménez-García, C., Andreu-Casas, M. et al. OnlyFans use in adolescents: prevalence, motives, and other psychological predictors. Curr Psychol 45, 1000 (2026). https://doi.org/10.1007/s12144-026-09572-x 

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Tarja Lorbeer
Tarja Lorbeer studiert Medienmanagement an der Hochschule Mittweida. In ihren Texten schreibt sie über Themen, die sie nachts auch mal wachhalten: Gute Bücher, popkulturelle Phänomene und die großen wie kleinen Fragen zu Dating, Sex und modernen Beziehungen.

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