Das Magazin für Geschlechtergerechtigkeit
05.10.2020
3 Min. Lesedauer
Redaktion GSP
In Projekt/ So arbeiten wir

Wie alles begann

2013 eröffnen Beiträge von sechs Jungen das Gendermagazin meinTestgelände. Sie hatten sich in einem Jungenbeirat eine Onlineplattform für Jungen gewünscht.
2013 eröffnen Beiträge von sechs Jungen das Gendermagazin meinTestgelände. Sie hatten sich in einem Jungenbeirat eine Onlineplattform für Jungen gewünscht.

Am 22. August 2013 ging, zurückzuführen auf die Idee von sechs Jungen, unser Genderportal meinTestgelände online. Ein Format, das bis heute einzigartig ist: Jugendliche veröffentlichen ihre Perspektiven rund um alles, was sie zu Geschlechtern, Liebensweisen und Geschlechterverhältnissen bewegt. Heute können wir sagen: für Jugendliche sind Geschlechterfragen weiterhin wichtig, oftmals verwirrend, einengend oder schmerzhaft. Und die Geschichte dazu geht so:

2010: Gleichstellungsdiskurse hatten sich in den Vorjahren insbesondere durch das wissenschaftliche und politische Erstarken von Genderperspektiven (Genderstudies) und Gender Mainstreaming verstärkt auf Geschlechterverhältnisse und damit auch auf Jungen und Männer ausgeweitet. Gefragt wurde zunehmend, welche Auswirkungen einseitige Geschlechterrollen auch auf Jungen und Männer haben. Infolge dessen wird im BMFSFJ im gleichen Jahr ein neues Referat namens „Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer“ in der Gleichstellungsabteilung gegründet. Hier wird 2011 erstmals ein Beirat „Jungenpolitik“ einberufen, der 2011 für zwei Jahre seine Arbeit aufnimmt. Mitglieder des Beirats sind neben Forscher*innen und Journalist*innen sechs Jungen im Alter von 15-17 Jahren.

„Die Diskussionen darüber, wie Jungen leben wollen und mit welchen gesellschaftlichen Erwartungen sie sich konfrontiert sehen, konnten so durch ganz konkrete Einblicke in die Lebenswirklichkeit der jugendlichen Beiratsmitglieder ergänzt werden.

Die Arbeit des Beirats „Jungenpolitik“ ist Teil einer lebenslauforientierten Gleichstellungspolitik, welche Unterschiede in den Lebensläufen von Frauen und Männern, von Mädchen und Jungen zum Ausgang hat und berücksichtigt, in welcher Weise deren Lebenslagen und die Geschlechterrollen in der Gesellschaft aufeinander bezogen sind. Ziel ist eine Jungenpolitik, die sich an den Lebenswirklichkeiten von Jungen ohne einseitige, negative oder klischeehafte Zuschreibungen orientiert.“ (https://verlag.deutscher-verein.de/de/uploads/presse/pm/2013/pm-jungenbeirat.pdf)

2013 legte der Beirat seinen Abschlussbericht1 vor. Die Schlussfolgerungen darin verweisen auf unterschiedliche Ansätze und Themen einer Jungenpolitik, die sich im Kern auf das Aufbrechen tradierter Jungen- und Männerbilder, die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit und das Eröffnen von Gestaltungsräumen für andere Männlichkeitsbilder ausrichten sollten. Dafür sei der Blick auf alle Geschlechter notwendig:

„Die im Beirat formulierten Anregungen für die Gestaltung einer Jungenpolitik, gerade auch die von Jungen selbst eingebrachten, gehen folglich teilweise über die Gruppe der Jungen als Adressaten hinaus und umfassen auch Angebote und Maßnahmen für Jugendliche generell.“ (Beirat Jungenpolitik Hg. 2013, Schlussfolgerungen für die Jungenpolitik o.S.)

Im Bericht werden abschließend prioritäre Themen formuliert, die Politik als erste in Angriff nehmen solle. Darunter findet sich die Forderung nach der Erstellung einer gleichstellungsorientierten Website, die von den beteiligten Jungen eingebracht wurde:

Ansprache von Jungen über geeignete Formate. Eine Jungenpolitik, die ihre Adressaten erreichen will, muss bereit sein, tradierte Pfade der Politikvermittlung zu verlassen und sich der Kommunikationsmedien zu bedienen, die im Alltag der Jugendlichen vorrangige Bedeutung haben. Sie muss zudem sicherstellen, dass die Adressaten selbst an der Erstellung entsprechender Formate und Inhalte beteiligt sind. In diesem Sinne wird die Erstellung einer gleichstellungsorientierten Website für Jungen empfohlen.“ (Beirat Jungenpolitik 230)

Da war sie, die Idee für eine Website, auf der auch zukünftig Jungen über Geschlechterthemen sprechen könnten. Für die Umsetzung wurde die BAG Jungenarbeit e.V. angefragt. In Kooperation mit der BAG Mädchenpolitik entwickelten wir ein Konzept und im August gingen wir mit der Website www.meinTestgeleande.de online. Die ersten Beiträge kamen von den sechs Jungen des Beirats „Jungenpolitik“. 

Und warum heißt die Website ausgerechnet meinTestgelände? Zur Namensgebung kam es auf der Abschlusstagung des Beirats „Jungenpolitik“, auf der in einem Workshop mit Jugendlichen ein Brainstorming veranstaltet wurde. Favorisiert wurde schlussendlich „meinTestgelände“, weil das Projekt, eine Website mit dieser Zielrichtung aufzubauen, als Testfeld angesehen wurde: niemand konnte sagen, ob Jungen bereit sein würden, über ihre Geschlechterthemen zu sprechen und ob, wenn dies gelingt, andere Jugendliche und Fachkräfte daran tatsächlich Interesse zeigen würden. In den folgenden Jahren zeigte sich, dass der Name immer wieder Programm sein würde.

Wie sich das Projekt weiter entwickelte lesen Sie hier.

1 Beirat Jungenpolitik (2013) Hg.: Jungen und ihre Lebenswelten – Vielfalt als Chance und Herausforderung“ Opladen, Berlin, Toronto

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