Seit mehr als zehn Jahren sammeln wir auf unserer Jugendwebsite meinTestgelände Texte junger Menschen zu allem, was sie bewegt. In diesen Zitaten sprechen Mädchen* und junge Frauen* über ihre Erlebnisse und Gedanken zu sexualisierter Gewalt.
Mare stellt klar:
Unter Freundinnen sagen wir „Gib Bescheid, wenn du zu Hause angekommen bist“. Versteht ihr? Es gibt immer die Möglichkeit, nicht anzukommen.
Lina schreibt:
Man muss aber auch verstehen er hat ein Bad Boy Auftreten
Muss sich eben manchmal aufregen
Einfach mal was kaputt machen, aber keine Sorge
Für dich hat er (manchmal) ganz nette Worte
Denn du veränderst ihn einfach
Auch wenn er dich öfters mal klein macht […]
Er hat auch alle deine Tagebuch Einträge heimlich gelesen
Hat alle Tricks parat um dein Herz zu genesen
Bricht es wieder und wieder
Schneidet tiefer und tiefer
Nur um selbst das Gegenmittel für sein Gift zu sein
Celine prangert an:
Du bist schuld daran, dass Leute denken, meine Aura sei aggressiv.
Du bist schuld daran, dass ich den Mann, den ich liebe, nicht richtig lieben kann.
Du bist schuld daran, dass ich körperliche Nähe ekelhaft finde.
Das Warten, die Gefühle und die Gedanken brachten es soweit, dass ich jetzt wieder alleine bin… weil ich nicht richtig lieben kann.
Claire erinnert sich:
Er lächelt mich an und fragt nach einer Zigarette. Ich möchte nicht unhöflich sein und gebe ihm mein Drehzeug. Er fängt an sich eine zu drehen. Ich fühle mich unwohl. Er ignoriert meine ablehnende Haltung und beginnt ein Gespräch, in dem er mich nach meinem Namen und Alter fragt. Ich fühle mich nicht wohl damit, diese Fragen zu beantworten und lüge. Ich erzähle ihm, ich sei 16 Jahre alt. Das lässt ihn kalt.
Johanna-Maria stellt fest:
Nach dem Vorfall war ich gebrochen und das ,,davor“ nur ein Gedanke. Indessen lief ich weiter, über
jedes rote Licht, antwortete auf jedes ,,Geht´s dir gut?“ mit „Ja!“ – und nachdenklich – „…danke.“
Für mich war er anders, für sich blieb er gleich.
An mir blieb über: angefasstes Fleisch.

Bildungsreferentin und Online-Redakteurin für Geschlechtersensible Pädagogik Vivian Sper schreibt dazu:
“Ich find’s ein kleines bisschen heiß, wenn er mir droht”, singt Zsá Zsá in ihrem Hit Bad Bunnies, der 2025 bei jungen Menschen viral ging. Noch immer wird sexualisierte Gewalt romantisiert und normalisiert. Doch die Erfahrungen junger Frauen* zeigen: Kein Grapscher, kein übergriffiger Flirt, keine vermeintlich romantische Geste bleibt ohne Folgen. Betroffene fühlen sich beschämt, meiden Orte, Straßen, Uhrzeiten. Die Rückkehr zur Normalität kann Jahre dauern, manchmal erfolgt sie nie. Lasst uns diesen Umstand nicht mehr als unvermeidbare Normalität begreifen. Eine geschlechtersensible Pädagogik kann präventiv daran arbeiten, jungen Menschen den Umgang mit eigenen und fremden Grenzen beizubringen und Konsens als handlungsleitendes Konzept zu etablieren.