Im Juni ist Pride Month, der Monat, der den Kämpfen der LGBTQIA+-Community für Selbstbestimmung und Gleichberechtigung gewidmet ist. Warum sollten wir das als Pädagog*innen thematisieren? Und wie?
Jetzt braucht es Verbündete
Ob USA, UK oder hier: Rechtspopulist*innen hetzen gegen trans* Personen. Unter dem Vorwand, Frauen und Kinder zu schützen, werden transfeindliche Kampagnen geführt, die immer häufiger zu transfeindlichen Gesetzen führen.
Die Hetze trifft alle, die nicht in “klassische” Rollenbilder passen, nicht nur trans* Personen, undoft ist dies auch mit anderen Diskriminierungsformen, insbesondere mit Rassismus und Behindertenfeindlichkeit, verknüpft.
Wir müssen Kindern und Jugendlichen erklären, was passiert, Mythen und Anfeindungen als solche benennen und richtigstellen. Der Pride Month kann einen guten Anlass dazu bieten. Das Mindeste sollte es sein, die CSDs zu thematisieren und den geschichtlichen Hintergrund zu erklären: Aufstände von vor allem Schwarzen trans* Frauen in den USA, die gegen Queerfeindlichkeit und Polizeigewalt protestierten und so eine Bewegung begründeten, die die Legalisierung von Homosexualität und später sogar Rechte wie die gleichgeschlechtliche Ehe erkämpft hat.
Methode 1: „LGBTQIA+“
Die Grundlage für Gespräche über Queerfeindlichkeit ist ein Verständnis dafür, worüber wir sprechen. Eine Methode dazu kann sein, Begriffe zu sammeln und zu erklären, was sie bedeuten. Dabei werden Begriffe aufgeschrieben (auf Karten oder digital), dann dürfen die Kinder oder Jugendlichen sie erklären, so gut sie können, und die pädagogische Fachkraft ergänzt. Dieses Vorgehen ist wichtig dafür, die Angst davor, etwas Falsches zu sagen, zu reduzieren. Im Vordergrund steht, dass es nicht um „richtig“ und „falsch“ geht, um „das darf man sagen“ und „das nicht“, sondern um respektvolles Ausdrücken und Selbstbestimmung statt Ausgrenzung. Parallelen zu anderen Diskriminierungsformen wie Rassismus und Behindertenfeindlichkeit werden aufgezeigt: Auch hier geht es darum, Selbstbezeichnungen zu nutzen. Hilfe gibt es z.B. unter queer-lexikon.net.
Widersprüche und Grenzen von Labels sollten dabei insbesondere mit Jugendlichen auch thematisiert werden. Weitere Begriffe, die im Gespräch aufkommen, z. B. cis, hetero, Transition, werden ebenfalls aufgeschrieben und erklärt. Werden Begriffe genannt, die abwertend oder Fremdbezeichnungen sind, werden sie um ein „besser […]“ ergänzt. Zudem wird erklärt, warum das Wort nicht so gut geeignet ist.
Beispiele:
aromantisch: Person, die keine romantische Anziehung erlebt
Umwandlung, besser Transition: Weg, den eine trans* Person geht, um in ihrem richtigen Geschlecht zu leben und die falsche Zuordnung abzulegen, kann z. B. die Änderung des Namens, das Nutzen anderer Pronomen, rechtliche Schritte nach dem Selbstbestimmungsgesetz und manchmal auch Medikamente oder Operationen beinhalten. Umwandlung ist nicht ganz richtig, die Person „wandelt sich nicht“, sie zeigt ihrem Umfeld, wer sie schon immer war.
Methode 2: „mein queeres Vorbild“
Die Methode „Mein Vorbild“, für junge Menschen ab 12 Jahren vereint mehrere pädagogische Ziele. Für den Pride Month kann das Thema „mein queeres Vorbild“ gewählt, im Black History Month kann dagegen „mein Schwarzes Vorbild“ genutzt werden.
Zur Einleitung erklären wir kurz, dass Pride Month ist und erarbeiten gemeinsam, was das bedeutet. Die Jugendlichen bekommen dann die Aufgabe, analog oder digital ein kleines Plakat zu gestalten über eine queere Person, die sie toll finden. Weitere Vorgaben gibt es nicht, die Person kann historisch sein, berühmt oder unbekannt, also auch die lesbische beste Freund*in, der trans* Onkel, die bisexuelle Vertrauenslehrkraft.
Pädagogisch vermitteln wir mit dieser Methode geschlechtliche und sexuelle Vielfalt. Medienkompetenz spielt eine Rolle, sowohl bei der Recherche als auch bei der Erstellung und Vorstellung des Plakates. Wichtig ist auch die Beschäftigung mit Werten, den eigenen und denen anderer, wenn Vorbilder ausgesucht und Gründe für die Wahl artikuliert werden. Es kann sinnvoll sein, vorher darüber zu sprechen, was „Vorbild“ bedeuten kann, um die Jugendlichen bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen. Kein junger Mensch sollte für seine*ihre*deren Wahl rechtfertigen müssen. Verschiedenheit zu erleben ist ebenfalls pädagogisches Ziel.
Als Fragen empfehle ich:
- Warum ist mir die Person ein Vorbild?
- Welchen Namen hat die Person?
- Welche Pronomen verwendet sie?
- Wann wurde sie geboren (und ggf. wann starb sie)?
- Wie beschreibt/beschrieb die Person ihre Identität? (z. B. lesbische, Schwarze trans* Frau, inter* Mann mit Behinderung, nicht-binäre*r Aktivist*in)
- Warum habe ich diese Person ausgewählt?
Dazu können passende Bilder, bei berühmten Persönlichkeiten z.B. ein Foto der Person, und weitere Informationen wie ggf. ein Zitat, ein Beruf, etc. ergänzt werden.
Die Plakate werden einander vorgestellt und können den Rest des Monats als „Ausstellung“ dienen.
Als pädagogische Fachkraft beteiligen wir uns natürlich auch. Ich empfehle hier wärmstens, Marsha P. Johnson auszuwählen, weil wir dadurch auch vom ursprünglichen CSD erzählen können und zudem Schwarze trans* Frauen & Mehrfachmarginalisierung sichtbar machen.
