Queere Jugendliche beschäftigen sich im Schnitt mehr mit Medien und dem Internet als nicht-queere Jugendliche (vgl. Krell/Oldemeier, 2018, S. 22).
Dementsprechend ist es umso wichtiger, für queere Jugendliche ein besonderes Augenmerk auf die Chancen und Risiken der digitalen Welt zu richten. Themen wie Hassrede, Cybermobbing, aber auch sexualisierte Gewalt können in der digitalen Welt auftreten und müssen bei präventiven Angeboten bedacht werden.
Dazu hat unser Projekt „Fierce! – Potentiale queerer Jugendmedienarbeit“ in den Jahren 2022 bis 2024 mithilfe einer Befragung die Chancen, aber auch die Risiken der Medienwelt für queere Jugendliche herausgearbeitet. Entstanden ist eine medienpädagogische Handreichung für Fachkräfte der offenen Kinder- und Jugendarbeit, die digitale Lebenswelten, Chancen und Gefährdungen beschreibt und praxisnahe Methoden für digitales Arbeiten mit queeren Jugendlichen vorstellt. Einige dieser Methoden stellen wir hier vor:
Safer Spaces

Bei der Arbeit mit queeren Jugendlichen ist es von zentraler Bedeutung, Safer Spaces zu kreieren und zu nutzen – sowohl analog als auch digital. Dafür haben wir einen kleinen Verhaltenskodex entwickelt.
Mithilfe dieses Verhaltenskodexes lassen sich verschiedene Themen gemeinsam mit der Zielgruppe erarbeiten.
Gaming
Ein Bereich, der viele Möglichkeiten für die Arbeit mit Jugendlichen bietet, ist das Gaming. Hier können unterschiedliche Themen aufgegriffen und für Diskussionsrunden über Ethik oder zur Reflexion des eigenen Verhaltens genutzt werden. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Spielen, die queere Geschichten und Spielfiguren beinhalten – wie zum Beispiel Stardew Valley oder Celeste. Diese und viele weitere Spiele bieten eine Form der medialen Repräsentation queerer Themen.
Mithilfe dieser Spiele könnt ihr methodisch zum Beispiel eine Spielerezension gemeinsam mit den Jugendlichen erstellen. Dabei werden unter vorgegebenen oder selbst bestimmten Kriterien die Spiele beurteilt. Dies fördert einen reflektierten Umgang mit Medien und kann zu einem bewussteren Spielverhalten beitragen.

Avatare
Ein weiterer Schwerpunkt bei Videospielen ist die Erstellung von Avataren – also das Erstellen eigener Spielfiguren. Dies kann zur Erprobung verschiedener Identitäten genutzt werden oder einfach dazu dienen, Gedanken und Ideen kreativ auszuleben. Für die Avatar-Erstellung bieten sich Spiele wie Die Sims 4 oder Dragon Age: The Veilguard besonders gut an.
Die Erstellung eigener Avatare und Spielfiguren kann im geschützten Rahmen gemeinsam mit Jugendlichen in der Einrichtung umgesetzt und reflektiert werden. Für diese Methode haben wir in unserer Handreichung auch einige Arbeitsblätter erstellt, die als Vorlage dienen können.

Influencer*innen
Auf Plattformen wie Instagram, TikTok und Co. folgen Jugendliche ihren Influencer*innen auf Schritt und Tritt. Dementsprechend ist es für uns Fachkräfte hilfreich, einen groben Überblick darüber zu haben, wer bei den Jugendlichen gerade angesagt ist.
Das beste Mittel, um einen Einblick in die aktuellen Lieblings-Influencer*innen der Jugendlichen zu bekommen, sind einfache Gespräche. In unserer Handreichung haben wir dennoch einige Influencer*innen aufgelistet (Seite 29-31), die als Startpunkt dienen können. Oft nehmen sie eine Vorbildfunktion oder Rolle als „große Geschwister“ ein und teilen persönliche Erfahrungen. Sie beantworten gerne Fragen, und Jugendliche fühlen sich schnell als Teil einer Community. Für queere Jugendliche haben Influencer*innen auch deswegen einen hohen Stellungswert, weil sie fehlende Vorbilder in der Alltagswelt ersetzen.
Für die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen lassen sich daran verschiedene Ansätze knüpfen:
Zum Beispiel kann man die Vorlage zur Charaktererstellung (Handreichung Seite 43-44) so anpassen, dass eine fiktive „perfekte“ Influencer-Person entworfen wird. Unterstützend lassen sich auch Tools der Künstlichen Intelligenz (KI) nutzen, um die Methode abwechslungsreicher zu gestalten. Anschließend kann in einer Reflexionsrunde über verschiedene Themen rund um Influencer*innen diskutiert werden – darunter Vorbildfunktion, Hatespeech, Meinungsmache oder Marketing.
Handreichung
In unserer Handreichung geben wir einen Überblick über verschiedene mediale Themen (Mangas, Memes, Fanfiction usw.), die für die Arbeit mit queeren Jugendlichen relevant sind. Zudem finden sich Beispiele für die Repräsentation queerer Figuren in unterschiedlichen Medien.
Die Handreichung sowie die im Rahmen des Projekts durchgeführte Umfrage findet ihr unter:
https://fjmk.de/veroeffentlichungen/potentiale-queerer-jugendmedienarbeit/
Projekt Fierce
Das Projekt „Fierce! – Potentiale queerer Jugendmedienarbeit“ (2022-2024) hat aus den Ergebnissen einer Befragung vier Fortbildungen für Fachkräfte der offenen Kinder- und Jugendarbeit entwickelt und durchgeführt. Die Schwerpunkte reichten von der digitalen Lebenswelt queerer Jugendlicher bis hin zu Chancen und Herausforderungen der Mediennutzung – mit dem Ziel, sowohl einen Überblick über vielfältige Themen zu geben als auch praxisnahe Methoden zu vermitteln. Die Inhalte der Fortbildungen sowie die Ergebnisse der Befragung sind in die Handreichung eingeflossen, die euch nachhaltig als Angebot und Unterstützung zur Verfügung steht.
Literatur
Krell, Claudia/Oldemeier, Kerstin/unter Mitarbeit von Austin-Cliff, George (2018):
Queere Freizeit. Inklusions- und Exklusionserfahrungen von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und *diversen Jugendlichen in Freizeit und Sport. München
