Seit mehr als zehn Jahren sammeln wir auf unserer Jugendwebsite meinTestgelände Texte junger Menschen zu allem, was sie bewegt. In diesen Zitaten sprechen junge Frauen* und Mädchen* über Rassismuserfahrungen:
Anonymous erinnert sich:
„Ich hatte zu große Angst. Meine Familie wollte nur das Beste für mich. Sie wollten, dass ich sicher war. Alleine in eine Stadt zu ziehen, in der man Menschen wie mich hasste, war einfach nicht sicher für mich. Und ich akzeptierte es nach einer Weile. Ich glaubte meinen Eltern und meinem Bruder und ließ es einfach sein. Am nächsten Tag schickte ich meinen Verzicht auf den Studienplatz an die Universität.“
Haticeela hat es allen gezeigt:
„Für viele ist Marxloh [Stadtteil in Duisburg] eine No-Go-Area. Für mich ist es meine geliebte Heimat. Ich will zeigen, was ein Mädchen aus Marxloh alles schaffen kann. In der Schule hat man mir den Hauptschulabschluss nicht zugetraut. Ich habe mein Abitur nachgeholt, heute studiere ich.“
Lisa Brück klagt an:
„Du sagst du siehst keine Farben
Du sagst, du kannst nicht verstehen
was wir plötzlich haben
Du sagst, dass es nicht nötig sei
weil wir sein alle eins
Also sage das nochmal lauter
dem kleinen schwarzen Kind, dass sich Nächte darüber zerbricht, wie es sich unsichtbar machen kann
bis die Mitschüler nicht mehr gemein sind
Erkläre dass der schwarzen Mutter,
für die eine Wohnungsabsage so selbstverständlich wie Atmen ist Erklär das dem Vater, der
bitter lernen musste, dass egal wie hart er arbeitet, Menschen werden ihn hassen für das was er ist Erklär dass den Tausenden Menschen die Gewalt von der Polizei erlebten, die
die Grenzen dieser Welt lang wanderten für süße Versprechen,
um ihren Kindern einen Weg in einer bessere Welt zu ebnen.“

Sozialarbeiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Vechta und der TU Berlin Yasmina Gandouz-Touati schreibt dazu:
„Aus intersektionaler Perspektive wird deutlich, dass Mädchen* und junge Frauen* of Color keine additiven Diskriminierungserfahrungen machen. Mädchen* of Color machen spezifische Erfahrungen als Mädchen* of Color. Die Verwobenheit von gender und race (und anderen Differenzlinien) lässt sich nicht künstlich trennen, sondern muss immer zusammen gedacht und bearbeitet werden. Gender und Race unterscheiden sich von anderen spezifischen Erfahrungen oder werden erweitert. Gendersensible Pädagogik, die zur Dekonstruktion von machtvollen Geschlechterzuschreibungen beiträgt und an den Lebenslagen aller Adressat*innen ansetzen will, muss die Perspektive auf Rassismus als etwas in der Identität von Mädchen* (of Color)/ Jugendlichen inneliegendes wahrnehmen ohne dabei erneute Zuschreibungen oder Selbstverständlichkeiten weiterzuführen.“