Das Magazin für Geschlechtergerechtigkeit
23.04.2026
3 Min. Lesedauer
Redaktion GSP
In Junge Stimmen

Glatte Haut, sichtbare Muskeln, Kurven an den „richtigen“ Stellen

Hier erzählen junge Menschen, was sie zum Thema Körper denken.

Junge Stimmen über die Bedeutung von Körpern 

Seit vielen Jahren sammeln wir auf unserer Jugendwebsite meinTestgelände Texte junger Menschen zu allem, was sie bewegt. In diesen Zitaten sprechen Jugendliche aller Geschlechter darüber, welche Bedeutung ihr Körper für ihre Identität, ihre Sexualität und ihren Platz in der Gesellschaft hat. 

David: „Wie sich mein Körper im gesellschaftlichen Kontext anfühlt: die Spannung zwischen meinem eigenen Empfinden und der Sicht von außen. Als nicht-binäre Person merke ich, wie daraus oft etwas anderes wird – eine Zuschreibung, eine Kategorie, ein Kampf um Lesbarkeit.“ 

Michelle: Mein Körper ist ein Schutzschild. Und er verdient Liebe. Vor allem von mir selbst. Ich, die ich jeden Tag in ihm herumlaufe. Ich, die ihn manchmal mit Liebe, manchmal mit Unsicherheit ansehe und mich immer wieder frage, wie ich ihn noch optimieren kann. Doch vielleicht muss er gar nicht perfekt sein. Vielleicht ist er gut so, wie er ist. 

Luisa Galli: Alle Menschen werden gesehen, bevor sie gehört werden, aber bei Frauen ist dieses Sehen nie neutral. Ihre Kompetenz bleibt an ihren Körper gebunden. Und dieses Muster ist kein Zufall, sondern ein historisches Erbe. 

Eileen Ahland:

Ihr habt kein Recht 
mir aufzuerlegen 
wie ICH mich kleiden soll 
wie ICH auszusehen habe 
wie MEIN Körper zu sein hat 
der MICH Tag für Tag 
durch MEIN Leben trägt 

Das Problem bin nicht ich 
sondern die Gesellschaft 
mit ihren zerstörerischen 
Schönheitsidealen 

Sabylonica: Ich kann mich an meine Sozialisation erinnern, in der ich gelernt habe, wie der Körper zu sein hat: glatte Haut, sichtbare Muskeln, Kurven an den „richtigen“ Stellen – intersektional betrachtet auch in Bezug auf westliche Ideale: glatte, helle Haare, gebräunte Haut, Sommersprossen. Solche Vorstellungen werden normalisiert und als selbstverständlich wahrgenommen. Wir internalisieren sie und streben ihnen nach. Dabei steckt eine lange Geschichte von Rassismen, Sexualisierungen und Idealen dahinter, geprägt durch Marketing, Kirche und Medien. 

Claudia Wallner sagt dazu: 

Ist die Bewertung von Körpern ein patriarchales Phänomen? In der Mädchen*arbeit haben wir es lange so diskutiert: Männer* bewerten die Körper von Frauen*. Das war und das ist auch heute noch so, siehe bspw. die aktuellen Debatten über Catcalling

Die Zitate junger Menschen verschiedener Geschlechter hier zeigen aber, dass das Thema Körper viel komplexer und vielschichtiger ist:  

  • innen und außen: Wie bin ich im Einklang mit meinem Körper und wie beeinflusst mich, was Andere sagen oder erwarten? 
  • Eindeutigkeit: Körper sollen als weiblich oder männlich erkannt werden 
  • kulturell definierte Schönheitsideale, die über Geschlechtergrenzen hinauswirken 
  • geschlechtsspezifische Schönheitsideale, die durch bearbeitete Videos auf Social Media für alle Geschlechter immer unerreichbarer werden 
  • Schönheit als klassistische Bühne: Wer Geld hat, kann an der äußeren “Selbstoptimierung” partizipieren und gesellschaftlichen Erwartungen genügen, wer kein Geld hat, nicht. 

Für eine geschlechtersensible Arbeit mit jungen Menschen bedeutet das: Sexismus, Klassismus und Rassismus bilden sich darin ab, wie eine Gesellschaft mit den Körpern junger Menschen umgeht. Die Leidtragenden sind eben diese jungen Menschen. Das betrifft nicht nur Mädchen*, sondern alle Geschlechter. Geschlechtersensible Körperarbeit muss entsprechend alle Geschlechter adressieren und sowohl das Innen und Außen verdeutlichen als auch die Verschränkungen und Bedeutung verschiedener Diskriminierungsformen. 

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