Das Magazin für Geschlechtergerechtigkeit
07.05.2026
3 Min. Lesedauer
Lina Klöpper
In Popkultur

Wenn Männer über Frauen lachen 

Was Hockey, Heated Rivalry und ein SNL–Auftritt über patriarchale Popkultur verraten

Der Erfolg von Heated Rivalry zeigt etwas, das Popkultur lange unterschätzt hat: Queere Liebesgeschichten, Romance und Fandom–Kultur sind keine Nische. Die kanadische Produktion erzählt die jahrelange Beziehung der zwei Profi–Eishockeyspieler Shane Hollander (Hudson Williams) und Ilya Rozanov (Connor Storrie). In der hypermaskulinen Welt des Sports sind sie Rivalen, aber abseits davon entwickeln sie über Jahre eine heimliche Beziehung. Gerade diese Art von queeren Geschichten sind ein riesiger Markt – und ein Raum, in dem andere Vorstellungen von Intimität, Männlichkeit und Begehren entstehen.  

Doch je sichtbarer solche Geschichten werden, desto deutlicher wird, wie schnell Weiblichkeit und Queerness im Sport noch immer zur Pointe werden. Das zeigte sich zuletzt im Sieg des US-Männer-Eishockeyteams bei den Olympischen Spielen. 

Wenn Frauen nur ein Witz sind 

Patriarchale Hierarchien sind im Sport fest verankert. Männerteams gelten als Norm und ihre Erfolge werden als solche gefeiert und Frauen sind Zusatzprogramm. Nach dem olympischen Sieg der US–Männer rief Donald Trump die Mannschaft an und gratulierte. In dem Telefonat scherzte er, man müsse wohl auch das Frauen-Team ins Weiße Haus einladen – sonst würde er des Amtes enthoben werden. Der ganze Raum lachte. Es geht nicht nur um den Witz, sondern um das dahinterliegende Machtverhältnis: Die Leistungen der Frauen, welche derselben Leistung der Männer entspricht, ist dennoch weniger Wert. Ihre Würdigung ist ein formaler Akt, keine echte Wertschätzung. 

Auf die Kritik reagierte Spieler Jack Hughes später mit einem bekannten Argument: Die Menschen im Internet würden „aus fast nichts“ ein Problem machen und nur nach Gründen suchen, jemanden herunterzumachen. Damit macht er strukturelle Misogynie sichtbar und zugleich akzeptabel – seine Aussage normalisiert die Abwertung von Frauen im Sport und macht sie zu einer Befindlichkeit einzelner. 

Strukturelle Misogynie funktioniert selten durch offene Feindseligkeit.

Es geht nicht um einzelne Männer, die einzelne Frauen* unterdrücken. Nicht alle Männer unterdrücken, aber alle Männer profitieren von einer patriarchalen Gesellschaft – oftmals, ohne sich überhaupt diesen Privilegien bewusst zu sein. Kritik daran wird als Überempfindlichkeit abgetan, während die Machtverhältnisse unangetastet bleiben.  

Wenn queere Geschichten plötzlich profitabel werden 

Viele Fans reagierten also zu Recht irritiert, als ausgerechnet Quinn und Jack Hughes einen Auftritt bei Saturday Night Live hatten. Ausgerechnet in einer Folge, die Heated-Rivalry-Star Connor Storrie moderierte. Die Stars eines hypermaskulinen Hockeysystems, welches wegen misogyner Aussagen in der Kritik steht, treten plötzlich in einer Show auf, die gerade vom Erfolg einer queeren Liebesgeschichte im gleichen Sport profitiert. Marginalisierte Perspektiven werden sichtbar, sobald sie kulturell oder wirtschaftlich relevant werden. Heated Rivalry hat Hockey für ein neues Publikum geöffnet – vor allem für queere Fans und Frauen. Doch statt diese Perspektiven strukturell ernst zu nehmen, werden sie oft nur symbolisch eingebunden, wenn z.B. Profit durch Rainbow Washing generiert werden soll. Queere Geschichten dürfen glänzen, solange sie ein Imageproblem lösen. 

Heute adaptiert man die Geschichten aus Fanfiction-Communities und Online-Fandoms und profitiert von ihrer Aufmerksamkeit. Die Communities selbst bleiben oft Mittel zum Zweck. Ihre Perspektiven werden nicht ernst genommen und sie sind vor allem ein Publikum, das Klicks und Abos generiert. Beispiele dafür gibt es viele. Serien wie Supernatural haben jahrelang queere Fans und Fanfictions inspiriert, während die Show selbst queere Charaktere nur sporadisch oder in Form von Queerbaiting aufnahm. Heated Rivalry ist ähnlich. Die queeren und weiblichen Fans feiern den Erfolg, doch ihre Stimmen werden oft nur symbolisch eingebunden, solange sie die Marke profitabel machen, aber nicht darüber hinaus Einfluss gewinnen. 

Was Popkultur über Macht erzählt 

Der Kontrast ist auffällig: Auf der einen Seite eine Serie, die Männlichkeit verletzlich, intim und queerer denkt. Auf der anderen Seite reale Sportstrukturen, die noch immer von patriarchaler Wettbewerbskultur geprägt sind. Wenn Männer über Frauen lachen und gleichzeitig vom Erfolg queerer Romance profitieren, zeigt sich ein Spannungsfeld unserer Gegenwart. 

Popkultur und Sport zeigen dasselbe: Sichtbarkeit, Respekt und Macht sind ein Privileg. Wer marginalisiert ist, wird erst gefeiert, wenn er nützlich ist. 

teilen:
Lina Klöpper
Lina Klöpper (*2000) ist nonbinäre Autor:in, Slam Poet:in und Anglist:in mit Staatsexamen im Gymnasiallehramt. They lebt und arbeitet in Leipzig und organisiert queere und offene Bühnen. Inhaltlich beschäftigt sich Lina vor allem mit hegemonialen Männlichkeitsbildern, Queer-Feminismus, Intersektionalität und Fandom Studies.
Weitere Artikel aus der Kategorie
05.02.2026
4 Min. Lesedauer
Von: Lina Klöpper
Warum lieben junge Frauen* die Serie Heated Rivalry?
Über Begehren und Lust jenseits patriarchaler Rollen
Warum lieben junge Frauen* die Serie Heated Rivalry?
28.01.2026
5 Min. Lesedauer
Von: Claudia Wallner
“Brave Mädchen” entschuldigen sich (nicht)
Wie ein Podcast Täter-Opfer-Umkehr betreibt
“Brave Mädchen” entschuldigen sich (nicht)
10.12.2025
5 Min. Lesedauer
Von: Hanna Kopahnke und Anna-Lena Reiferscheid
#skinnytok: Wie Gegenerzählungen helfen können
Mädchen da erreichen, wo sie sind: Online Kampagnen als Instrument der Mädchenberatung
#skinnytok: Wie Gegenerzählungen helfen können

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Rapidmail. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen