Das Magazin für Geschlechtergerechtigkeit
27.06.2024
4 Min. Lesedauer
Simon Sadowski
In Aus der Praxis

#sporthacks für einen inklusiven Sportalltag

Wie kann ich Hürden für trans, inter und nicht-binäre Personen in meinem Sportangebot abbauen?

Was hat mein Geschlecht mit Sport zu tun?

Ob im Verein, Sportunterricht oder Freizeitangebot: Die geschlechtliche Trennung des Sports in Männer und Frauen scheint für die meisten Personen zunächst einmal zu funktionieren – vielleicht auch für dich. Für trans, inter und nicht-binäre Personen jedoch nicht, sowohl auf struktureller Ebene (bspw. fehlende Toiletten, Duschen und Umkleiden) als auch aufgrund der begründeten Befürchtung, Diskriminierung zu erfahren. Dabei kann bereits ein wenig mehr Wissen und Achtsamkeit dazu führen, dass auch trans, inter und nicht-binären Personen die Teilhabe am Sport ermöglicht wird.

Hier kommen 5 #sporthacks für deinen Sportalltag.

#sporthack 1: Respekt

Vorab: Du wirst Fehler machen. Das geht allen so. Sieh sie als Chance für deine persönliche Entwicklung, nicht als Risiko.

  • Jede Person definiert selbst, wie sie sich identifiziert, sei es weiblich, nicht-binär oder männlich. Dies wird nicht in Frage gestellt, weder im direkten Austausch mit der Person noch im Austausch mit Anderen.
  • Die Frage nach oder die Anstellung von Vermutungen über die körperliche Konstitution einer Person sind absolute No-Gos.
  • Kein Outing von Personen: Wann, mit wem und wo eine Person über ihre sexuelle Identität, sexuelles Begehren etc. spricht, entscheidet jede*r ganz allein.
  • Benutze den gewünschten Namen und das gewünschte Pronomen einer Person – auch, wenn sie nicht anwesend ist.

#sporthack 2: Namens- und Pronomenrunde

Spielerisch in dein Training eingebaut, erleichtert sie es euch, die Namen und Pronomen aller Personen zu lernen.

Material: 1 Ball

Ablauf: Stellt euch im Kreis auf. Die Person mit Ball nennt ihren Namen und Pronomen. Dann wirft/ rollt/ schießt/ übergibt sie den Ball (zu) einer anderen Person. Wenn alle zweimal den Ball gehabt haben, sagt die Person mit Ball von nun an Namen und Pronomen der Person, (zu) der sie den Ball wirft/ rollt/ schießt/ übergibt.

Variante: Die Methode in Bewegung in der Halle/ auf dem Platz durchführen.

#sporthack 3: Verbündete*r sein

Auch als nicht queere Person kannst du dich für deren Wohlfühlen einsetzen, indem du in Situationen, in denen Queerfeindliches passiert, nicht bloß zuschaust, sondern handelst. Gemeint ist damit nicht nur offensichtlich diskriminierendes Verhalten, sondern vor allem auch sogenannte Mikroaggressionen, welche oft unbeabsichtigt und unbedacht passieren.

Beispielsituationen:

  • Die Verwendung von falschen Pronomen. Unterstütze andere, indem du sie auf die korrekten Pronomen hinweist und freu dich, wenn dies andere auch für dich tun.
  • Das Wort „schwul“ als Schimpfwort oder Begriffe wie „Mädchenpass“ nicht unkommentiert stehen lassen.
  • „Lass mal Mädchen/ Frauen gegen Jungen/ Männer“ spielen. Dies bringt vor allem nicht-binäre Personen in eine unangenehme Position.

Bitte vergiss bei der Äußerung von Kritik nicht, dass auch du dieses Verhalten wahrscheinlich erst verlernen musstest oder immer noch dabei bist.

#sporthack 4: Toiletten–Umkleiden–Duschen

Sind bei nahezu allen Sportangeboten ein Teil der strukturellen Voraussetzungen, um das Angebot realisieren zu können. Sie sind dabei so alltäglich, dass sich die Organisator*innen des Angebots keine bewussten Gedanken über diese machen. Insbesondere für trans, inter und nicht-binäre Personen sind Räumlichkeiten bzw. deren Fehlen häufig mit Unwohlsein bis hin zu verbaler oder körperlicher Gewalt verbunden.

Beispiele:

  • Es gibt vor Ort lediglich binäre Toiletten, Umkleiden und Duschen. Eine nicht-binäre Person muss sich zwischen männlich und weiblich entscheiden.
  • Eine Transfrau betritt eine Frauentoilette, wird aber von anderen Nutzer*innen nicht als weiblich gelesen bzw. anerkannt und wird daraufhin beschimpft und des Raumes verwiesen.
  • Diskriminierende Situationen erleben übrigens auch andere Personengruppen, welche nicht der vermeintlichen körperlichen Norm entsprechen. Dazu zählen bspw. mehrgewichtige Personen, Personen, die Rassismus erleben oder auch Menschen mit Behinderungen.

Lösungsansätze:

  • Ist-Stand kommunizieren. Bsp.: Toiletten: binär, Umkleiden: binär, Duschen: binär. Einerseits mag sich dies ausschließend lesen, andererseits zeigt es, dass du dir der Problematik bewusst seid und kann somit eine Hürde nehmen.
  • Wenn das Angebot nicht in der eigenen Sportstätte stattfindet:
    • Aktuelle Piktogramme/ Beschriftungen mit einem DIN-A4-Blatt überkleben. Es hat sich bewährt zu kennzeichnen, welche Nutzgegenstände der Raum enthält, also bspw. 3 Pissoirs und 5 Kabinen. Vorlagen können zum Beispiel hier heruntergeladen werden.
    • Dritte Kabine als Unisex oder für FLINTA kennzeichnen.
    • Der FLINTA-Ansatz hat sich auch in Situationen bewährt, in denen nur 2 Räume zur Verfügung stehen.
    • Sichtbar*sportlich Dusch- und Umkleideampel nutzen. Diese ermöglicht es jede*r Person, sich nach ihren Bedürfnissen die Räumlichkeiten mit anderen zu teilen oder eben nicht.
  • Wenn das Angebot in der eigenen Sportstätte stattfindet:
    • Oben beschriebene Möglichkeiten fest installieren.
    • Andere Räume mit- bzw. anders nutzen. Arbeitstitel: „Besenkammer“: stellvertretend für irgendeinen Raum, der eigentlich einen anderen Zweck hat als eine Umkleide zu sein, jedoch als solche genutzt werden kann und somit ein geschützter Raum sein könnte.
    • Neubauplanung: Inklusive Toiletten, Duschen und Umkleiden mitplanen. Am besten für möglichst viele Personengruppen, ob queer oder nicht. Dabei lohnt es sich, alle betroffenen Gruppen in die Planung mit einzubeziehen.

#sporthack 5: Transparenz der Angebote

Mach schon bei der Bewerbung deines Angebots deutlich, für wen es wie zugänglich ist. Dies zeigt dein Bewusstsein und versetzt Interessierte im Vorfeld in die Position, selbst entscheiden zu können, worauf sie sich einlassen möchten.

Es sollte transparent sein, wie zugänglich das Angebot ist in Bezug auf

  • die Trainings- und Wettkampfteilnahme und;
  • die Nutzung von Toiletten, Duschen und Umkleiden.

Beachte: Es geht dabei um die Geschlechtsidentität, nicht die sexuelle Orientierung.

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Simon Sadowski
Simon Sadowski
Simon Sadowski (keine) ist u.a. Fachkraft für Pädagog*innen-Bildung zu geschlechtlicher und sexueller Vielfalt, ehemalige*r C-und B-Kaderathlet*in im Rollhockey, seit 2016 im Quadball und seit 2022 im Laufen aktiv. Mit sichtbar*sportlich betreibt Simon eine Agentur für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt im Sport.
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