Das Magazin für Geschlechtergerechtigkeit
31.01.2024
2 Min. Lesedauer
Vivian Sper
In Buch des Monats

„Das Buch, das jeder Mann lesen sollte“: Buchrezension

Eine feministische Einführung – die uns nicht vom Haken lässt bei der Umsetzung.

Wenn Bücher mir versprechen, etwas in 3 Schritten oder 5 Tricks  zu meistern, bin ich grundsätzlich erst einmal skeptisch. Wenn es dann noch um das Thema Feminismus geht, werde ich fast zynisch. „In 4 Schritten zum Feministen“ verspricht das Cover des Buchs der Gruppe „Feminist Lab“, das im Februar 2023 erschienen ist.

Meine erste Reaktion: 4 Schritte?! Versuch’s mal mit 100 Schritten – und selbst dann sind wir noch nicht fertig.

Doch das Sachbuch belehrt mich eines Besseren, denn bei den 4 vorgeschlagenen Schritten handelt es sich um grundlegende Techniken und Verhaltensweisen, mit denen Männer (aber nicht nur die!) nachhaltig und fortlaufend feministisch aktiv sein können: Zuhören, Lernen, Reflektieren, Handeln.

Dem Autor*innenteam gelingt es dabei, es nicht bei einem allgemeinen Appell, „Ihr müsst mehr zuhören!“, zu belassen, sondern zu klären: Was heißt „Zuhören“, wie kann das aktiv gestaltet werden? Welche Relexionsmethoden gibt es?

Die Lesenden profitieren somit nicht nur von der grundlegenden Einführung in feministische Forderungen im ersten Teil des Buchs, das sich unter anderem mit geschlechtsspezifischer Gewalt, der Frage nach Care-Arbeit und Privilegien befasst. Zudem werden ganz konkrete Handlungen mit an die Hand gegeben. Die können so ‚einfach‘ sein, wie feministische Podcastempfehlungen oder so groß, wie sichere Orte zu schaffen, um als Männer gemeinsam Männlichkeit zu reflektieren.

„Dieses Buch richtet sich an Personen, die mit Männern arbeiten, lernen, leben, mit ihnen befreundet sind, sie lieben, aber auch all jene, die Männer nicht ausstehen können, sich wünschen, dass Männer sich ändern, neugierig auf Männer sind, die sich bereits für die Gleichstellung der Geschlechter engagieren oder einfach nur Männer kennen, von denen sie sich wünschen, dass sie mehr tun.“ (S. 13)

Zugegeben: So ganz wird das Versprechen, ein Buch für alle geschrieben zu haben, wie das Zitat es suggeriert, nicht eingelöst. Bei allem Anspruch, möglichst verständlich zu schreiben, befinden wir uns dennoch sprachlich auf einem eher akademischen Niveau. Was nicht überrascht, denn laut Buchumschlag sind die Autor*innen vor allem in Kreisen der „Wissenschaft und Politik“ tätig und bringen entsprechend einige Beispiele aus universitären Kontexten.

Trotzdem sind gerade die Einschübe im Buch, in denen einzelne Autor*innen zu Wort kommen, gewinnbringend. Hier werden Erfahrungen und Lernprozesse, Momente der Scham und des Versagens geteilt. Im Kopf geblieben sind mir hier beispielsweise die Männer, denen auffiel, dass sie Frauen oft ungefragt „Ratschläge“ erteilen. Sie haben sich nun angewöhnt zuerst zu fragen: „Möchtest du meine Gedanken oder einfach ein offenes Ohr?“

Hilfreiche Link- und Bücherlisten runden das Buch ab, das allen zu empfehlen ist, die sich mit Feminismus zum ersten Mal befassen oder ihr Wissen auffrischen möchten.

Feminist Lab (Vincent-Immanuel Herr / Martin Speer / Miriam Steckl / Robert Peter / Amy Herr / William McInerney / Aileen McKay)
Das Buch, das jeder Mann lesen sollte
Beltz
ISBN: 978-3-407-86729-2


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Vivian Sper trägt langes dunkles Haar und lächelt in die Kamera.
Vivian Sper
Vivian Sper ist Bildungsreferentin und betreut das Magazin Geschlechtersensible Pädagogik redaktionell. Sie studierte u.a. Gender Studies und schreibt am liebsten über Popkultur, Feminismen und Literatur.
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