Das Magazin für Geschlechtergerechtigkeit
14.10.2024
2 Min. Lesedauer
Redaktion GSP
In Junge Stimmen

„Was nicht länger versteckt bleiben will.“

Junge Stimmen zum Coming Out.
Revolution der Verbundenheit

Seit mehr als zehn Jahren sammeln wir auf unserer Jugendwebsite meinTestgelände Texte junger Menschen zu allem, was sie bewegt. In diesen Zitaten sprechen Jugendliche über ihre Coming-Out-Erfahrungen:

Anonymous schreibt:

Ich mag – mag – mag den Jungen wirklich und ich wusste, dass ich schwul bin. Dabei war ich noch sehr unsicher, ob das so stimmt und wollte es mir noch nicht eingestehen. Vor allem, weil ich wusste, dass meine Eltern darauf komisch reagieren würden. Ich hatte nicht vor es ihnen zu sagen. Ich habe dann ziemlich schnell mit einer Freundin darüber gesprochen. Ich war sehr unsicher, weil sie religiös ist und ihre Religion das sehr negativ sieht und verbietet. Sie war trotzdem für mich da und hat mir zugehört. Kurz darauf habe ich eine zweite Freundin eingeweiht. Beide haben gut reagiert. Ich hatte einfach gute Freunde. Es war toll zu sehen, dass sie zu mir stehen.“ 


Sven Schwarz schreibt:

„Niemand kennt die Wahrheit, die selbst ich zuerst nicht kannte. 
Kann man damit leben, ohne es nie einem zu erzählen? 
Man lebt mit einem Menschen in sich, der raus will, der sich nicht verstecken muss. Aber vor was verstecken? Man kennt Leute, die wissen wer sie sind, und alle anderen wissen es auch. Geht es denen besser als mir? 
Warum konnten Die diesen einen Schritt wagen, und ich nicht? 
Bin ich, wenn ich es offenbart habe, noch der Gleiche, oder jemand völlig anderes? Geht es mir danach besser? In mir ist etwas, was nicht länger versteckt bleiben will. Wie ein unschuldiger Mensch, der sein halbes Leben im Keller eingesperrt ist. Warum eingesperrt? Wer sperrt ihn ein? 
Ich selbst!“


Nev erinnert sich:

„Auf der weiterführenden Schule kamen von älteren Schülerinnen zwar anfangs blöde Kommentare, doch als sie merkten, dass ich keine große Angriffsfläche bot, legte sich das schnell wieder. Seitdem habe ich keine Anfeindungen mehr ertragen müssen.
Nach meinem Outing vor der Klasse ging ich viel selbstbewusster durch das Leben. Ich stand zu dem, was ich war und ließ mich von meinem Weg nicht abbringen. Am 11.Oktober 2013 flatterte der Brief mit der Bewilligung der Vornamens- und Personenstandsänderung ins Haus.“

Slam Poet, Autor, Homolobbypropagandagendergagaist Sven Hensel schreibt dazu: 

„Anhand der vielfältigen Berichte zum Thema Outing lässt sich sehen: Das Coming-Out kann und darf für jede queere Person ein individueller Prozess mit verschiedenen Bedürfnissen sein, in jedem Fall jedoch ist es eine Phase mit hohem Stresspotential. Insbesondere sind die Erziehungsberechtigten und das nähere Umfeld an Freund*innen und ihre Reaktionen ausschlaggebend für einen glimpflichen oder unguten Verlauf eines Outings. Hier wünschen sich die queeren Jugendlichen im Outing ein offenes Ohr, Verständnis und Toleranz.“ 

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